Bergsommer-Kompass für den Achensee
Der Achensee ist zwar kein Museum, verdient aber trotzdem eine gewisse Samthandschuh-Behandlung. Jeden Sommer treffen sich hier zwischen Gipfelkreuz und Uferpromenade Wanderer, Kühe, Paddler, Familien, Hunde, Murmeltiere und mindestens ein Grillmeister mit zu viel Selbstbewusstsein. Erstaunlich oft geht das gut aus. Das liegt daran, dass die meisten von euch längst wissen, wie man sich in der Natur benimmt, ohne dass es jemand extra sagen muss. Ein paar Erinnerungsstützen schaden trotzdem nie, denn die Berge, der See und alles, was dazwischen kreucht und fleucht, verdienen echten Respekt. Also: Benutzt (auch wenn ihr im Urlaubsmodus seid) euren gesunden Menschenverstand, haltet die Augen offen und nehmt Rücksicht – dann steht eurem Bergsommer nichts mehr im Wege.
Was ihr auf eurer Wandertour mit hoch nehmt, nehmt ihr auch wieder runter – ganz gleich, ob es sich um die halbe Breze oder das Papier vom Energieriegel handelt. Am Gipfel gibt es keinen Mülleimer, keine Müllabfuhr und schon gar keine Bergziege, die heimlich hinter euch aufräumt. Jede Bananenschale, jedes Taschentuch und jeder Kronkorken, der in der Natur landet, bleibt dort und das oft länger, als so mancher vermuten würde. Das gilt auch für unser Seeufer: Nach einem schönen Badetag sollten es maximal eure Fußabdrücke im Sand sein, die zurückbleiben. Betrachtet Rucksack und Badetasche also als Rückfahrtticket für alles, was ihr mitgebracht habt. Berg und See sind nämlich nur deshalb so schön, weil Generationen vor euch genau das schon verstanden haben.
Auch unsere Fellnasen brauchen an manchen Stellen eine Leine, insbesondere wenn die Natur am Achensee viele neue und aufregende Gerüche für sie bereithält. Auf Weideflächen sorgt ein freilaufender Hund schneller für Nervosität bei Kühen, als es guttut – und das kann sowohl für das Rind als auch für den Hundehalter ganz schnell unentspannt werden.
Außerdem gilt: Was hinten rauskommt, muss genau dort auch wieder eingesammelt werden. Der Achensee hat genügend Hundekotbeutel-Stationen, damit „ich hab gerade keinen Sackerl dabei" keine gültige Ausrede mehr ist. Die goldene Regel aus der Sackerlnutzerkunde lautet übrigens: Vollgemacht heißt mitgenommen – und zwar bis zur nächsten Hundetoilette. Gerade Murmeltiere sind von Hundehaufen zutiefst irritiert und freuen sich, wenn ihr die Duftmarken direkt vor ihren Wohnungstüren schnell wieder beseitigt. Alle Informationen zum Thema Hunde am Achensee findet ihr hier.
„Muuuh!“, schallt es über die Weide. Zurückgrüßen ist erlaubt, aber bitte im Flüsterton und ohne zu winken. Dass Kühe schreckhaft sein können und sich manchmal etwas im Ton vergreifen, kann schon mal vorkommen. Aber man kennt das ja aus der eigenen Perspektive: Wir liegen ganz genüsslich mit unserer Familie im Freibad auf der Wiese und in regelmäßigen Abständen spaziert eine Kuh nach der anderen mit ihrem Schoßhündchen über unser Handtuch. Meistens versuchen sie dann noch, ein paar Streicheleinheiten auszuteilen. Unangenehm!
Ein knisterndes Lagerfeuer unterm Sternenhimmel hat schon viele Urlaubsfotos verschönert, aber leider auch ebenso viele Wälder ruiniert. Der Boden rund um den Achensee ist im Sommer oft trockener, als er aussieht, und ein Funke reicht, damit aus einer romantischen Idee ein handfestes Problem wird. Auch direkt am Ufer, wo Wasser in Reichweite ist und Sicherheit verspricht, ändert sich daran nichts: Grillen und Feuermachen sind auch dort nicht einfach erlaubt, nur weil der See als Löschhilfe praktisch danebenliegt.
Apps, Smart Watches & digitale Wandernadeln – Technik dringt auch in der Natur immer weiter vor. Auch Drohnen sind immer beliebter und versüßen den Piloten den Tag: Endlich mal die Berge von oben betrachten oder einen Blick über den Zaun des FKK-Bereiches werfen! Auch wenn die rechtliche Situation einigen Fliegern immer noch nicht ganz klar zu sein scheint, sollte man doch ein wenig Gespür für Privatsphäre besitzen. Auch Start- und Landeplätze von Paragleitern eignen sich eher mäßig für ausgedehnte Drohnenflüge. Aber gerade jene, die so eine rühmliche und ehrenvolle Aufgabe wie die eines Piloten ausüben, sollten doch von sich sagen können: „Das wissen wir ja alle!“
Zu guter Letzt fehlt noch ein weiterer Punkt, auf den wir eigentlich nicht mehr hinweisen müssen: die angemessene Tourenplanung. Dass man die geplante Wanderroute mit genügend Wasser, Verpflegung und Zeit im Gepäck starten sollte, ist ja selbstverständlich. Und dass man ab und zu mal gen Himmel (oder Smartphone) blicken sollte, um sich über die aktuelle Wetterlage zu informieren, ist auch klar. Nun wollen wir unser aller Zeit nicht weiter mit Lesen strapazieren – geht raus, genießt die Natur und habt Spaß!
Das Murmeltier, das sich neben eurem Rucksack aufbaut wie ein kleiner pelziger Kellner, hat keinen Hunger. Es hat gelernt, dass Menschen manchmal Chipstüten öffnen! Genau das ist das Problem: Wildtiere, die sich an die Hand des Menschen gewöhnen, verlernen, sich selbst zu versorgen und auch, dass sie die meisten Dinge gar nicht gut vertragen. Damit sind natürlich ebenso Tiere gemeint, die am und im Wasser leben. Für Ente oder Fisch ist ein Keks aus Nettigkeit nämlich langfristig kein Geschenk, sondern eine ernste Gefahr. Auch wenn das vielleicht für euch jetzt schwer zu verdauen ist: Wildtiere brauchen weder Snacks noch Gesellschaft – ein freundliches „Muh" und ein „Quak” aus der Ferne reichen als Kompliment völlig aus. Deshalb gilt: Bewundern ja, Buffet eröffnen bitte nicht.
Der Weg am Achensee gehört niemandem allein. Nicht dem E-Biker mit Rückenwind-Gefühl, nicht dem gemütlichen Spaziergänger und auch nicht dem Trailrunner, der gerade seine Bestzeit jagt. Alle teilen sich dieselben Wege und ein kurzer Blick zurück, eine Klingel oder ein freundliches „Vorsicht, bitte!" verhindert mehr Zusammenstöße als jedes Schild. Wer schneller ist, gibt Bescheid und weicht notfalls aus; so muss wer langsamer ist nicht gleich panisch wie ein Reh zur Seite hüpfen. Am See selbst gilt dasselbe für Kite-Surfer, SUPler und Segler: Genug Abstand mit ausladenden Sportgeräten macht aus einem potenziellen Crashkurs einen entspannten Nachmittag für alle.
Der schönste Blick auf den Achensee nützt wenig, wenn man ihn nur vom Straßenrand aus genießt. Auf dem Hinweg bei der Parkplatzsuche verzweifeln und auf dem Rückweg genervt in der Autokolonne ganz hinten anstellen? Das muss nicht sein! Wildes Parken auf Wiesen, Feldwegen oder in Kurven sorgt außerdem nicht nur schlechte Laune bei den anderen, sondern auch für echte Gefahr, wenn Rettungsfahrzeuge nicht mehr durchkommen. Die gute Nachricht: Zwischen Bus, Bahn, Schiff und ausgeschilderten Parkplätzen gibt es rund um den See genug Alternativen, die deutlich entspannter sind als die Parkplatzsuche in der Hochsaison. Mit der AchenseeCard sind viele Öffis sogar inklusive, sodass das Auto getrost auch mal Urlaub machen kann.
Nur weil gerade keine Ampel in Sicht ist, heißt das nicht, dass es auf dem Wasser einen Freifahrtsschein gibt. Für viele Wassersportarten braucht es zunächst die passende Lizenz, denn ohne Papiere bleibt der Traum vom Kapitän oder dem Tauchgang eine ziemlich trockene Angelegenheit. Ist das geklärt, teilen sich Boote, SUPs, Segler und Schwimmer denselben Achensee und Vorfahrtsregeln gelten hier genauso wie auf der Straße. Wer motorisiert unterwegs ist, hält Abstand zu Schwimmern und Nichtmotorisierten, fährt in Ufernähe langsam und denkt daran, dass ein Boot nicht bremsen kann wie ein Auto. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Augen auf, Tempo runter und im Zweifel gilt am und auf dem Wasser nochmal ganz besonders: Rücksicht schlägt Recht haben.
Der Blick von oben ist verlockend und auch wir wissen, dass der Achensee aus der Vogelperspektive tatsächlich aussieht wie gemalt. Trotzdem ist nicht jeder Himmel über dem See automatisch Flugzone: Naturschutzgebiete, Start- und Landeplätze der Paragleiter sowie der Bereich über Menschen und Tieren sind für Drohnen tabu oder zumindest stark eingeschränkt. Das hat auch gute Gründe, denn ein surrendes Fluggerät über einem brütenden Vogel oder direkt über einem startenden Gleitschirm ist selten ein harmloser Moment. Wer filmen möchte, informiert sich vorher über die aktuellen Regelungen und Verbotszonen, sodass das perfekte Luftbild von nichts getrübt werden kann.
Während an anderen Orten ein Wetterwechsel meist bedeutet „Schirm einpacken, fertig!” gelten am Achensee andere Gesetze. Hier hat die Natur noch richtige Launen, die schnell mal umschlagen können! Was morgens spiegelglatt aussieht, kann mittags mit Böen aus dem Rofan zur ernstzunehmenden Welle werden, Gewitter kommen im wahrstem Sinne gerne mal aus heiterem Himmel. Wer das unterschätzt, spürt es auf dem SUP, im Ruderboot oder bei der Bergtour ziemlich direkt. Auch die Wassertemperatur täuscht: Glasklar heißt nicht warm, und ein Sprung ins Wasser nach der Wanderung kann den Kreislauf mehr überraschen, als einem lieb ist. Ein konstantes Auge auf die Wetterbedingungen ist deshalb keine Spielverderberei, sondern der Unterschied zwischen einem schönen Nachmittag und einer Geschichte, die man lieber nicht erzählen will. Merkt euch deshalb am besten die „drei W am Achensee”: Wetter, Wassertemperatur, Wind.
Habt Spaß – aber mit Rücksicht
Bei aller Leichtigkeit und allem Humor ist uns wichtig, die angesprochenen Themen ernst zu nehmen. Denn falsches Verhalten in der Natur kann schnell Folgen haben – für einen selbst, für andere und für die Umwelt. Dabei geht es nicht nur um offensichtliche Dinge wie zurückgelassenen Müll. Auch ein unachtsamer Umgang mit Feuer oder falsches Verhalten gegenüber Weidetieren kann gefährlich werden. Gerade Waldbrände oder aggressive Reaktionen von Kühen zeigen, wie wichtig ein respektvoller und bewusster Umgang mit der Natur ist. Wir setzen auf gesunden Menschenverstand, Rücksichtnahme und ein paar einfache Regeln. So können alle eine gute Zeit draußen verbringen – sicher, respektvoll und mit vielen schönen Erlebnissen für alle.



