Station Pertisau - Tiroler Steinöl & Vitalberg

Frische Sommergeschichten

Thyrsus und Haymon

Vor ca. 40 Millionen Jahren versteinerten organische Sedimente durch den Druck der alpinen Gebirgsbildung und bildeten Ölschiefer. Diesen Vorgang hat die moderne Wissenschaft gut erforscht.

Für die Menschen des Mittelalters barg der ölhaltige Schiefer aber ein schier unerklärliches Geheimnis. Wie kam das Öl ins harte Gestein? Seit dem 14. Jahrhundert wird das Tiroler Steinöl abgebaut. Die Sage über seine Entstehung ist jedoch viel älter. 


In fernen Zeiten kam aus dem Rheinland ein Riese namens Haymon nach Tirol. Er überragte weit alle übrigen Menschen und übertraf sie an Kraft und Stärke. Zur gleichen Zeit wohnte bei Seefeld in Tirol ein zweiter Riese, der sich Thyrsus nannte. Als er von der Ankunft Haymons hörte, stieg Groll in ihm hoch. Er wollte nicht dulden, dass ein anderer sich niederlasse im Bereich seiner Berge, deshalb dachte er nach, wie er den fremden Mann wieder aus dem Lande verdrängen könne. Aber auch Haymon hatte von seinem Gegner und dessen Anschlägen vernommen. Wutentbrannt brach er auf und zog dem Ufer des Inns entlang ins Oberland. Hinter Zirl auf sonniger Wiese – heute heißt der Ort Dirschenbach – stieß er auf Thyrsus und griff ihn mit seinem wuchtigen Schwert an. Überrascht sah sich Thyrsus um eine Waffe um, riss die Birke aus, die neben ihm stand, und setzte sich damit zur Wehr. Weitum ertönten Berg und Tal von den grimmigen Schlägen und im Walde bebten die Bäume bis tief in die Wurzeln hinab. Da stach Haymon seinem Widersacher eine tiefe Wunde in die Ferse, so dass ein Strahl hellen Blutes heraus sprang. Thyrsus konnte noch in das Karwendelgebirge entfliehen, verlor aber viel von seinem heilsamen Blut, welches im Gestein versickerte. Viele Jahre später entdeckten Bauern im Stein das heilsame Dirschenöl (Thyrsusblut) und seitdem wird es als Volksmedizin gegen vielerlei Krankheiten bei Mensch und Tier angewendet.


Zitiert nach: Tiroler Steinölwerke, www.steinoel.at


Abbau und Wirkung des Steinöls

Der Ölschieferabbau am Achensee ist untrennbar mit der Familie Albrecht aus Pertisau verbunden. 

1902 entdeckte Martin Albrecht sen. die ersten Ölschiefer am Ufer des Achensees. Über 15 Jahre baute er das Gestein dort gemeinsam mit zwei Knappen händisch ab. Der Ölschiefer wurde anschließend erhitzt – man nennt diesen Vorgang ausschwelen -  damit das Tiroler Steinöl ausfließen konnte. Seit 1908 wird der Ölschiefer in einer ergiebigeren Lagerstätte im Bächental auf 1500 Meter Seehöhe gewonnen. Sieben Millionen Tonnen Ölschiefer sollen tief im Bächental noch verborgen liegen.


Die Wirkung des Tiroler Steinöls basiert auf seinem hohen Schwefelgehalt, der bei Hauterkrankungen und rheumatischen Beschwerden lindernd wirkt. Verwendet wird das Tiroler Steinöl für spezielle Kosmetika, Medizin- und Wellnessprodukte.


Rund um’s Tiroler Steinöl gibt es viel Wissens- und Staunenswertes zu erfahren. Die audiovisuelle Ausstellung im einzigartigen Erlebnismuseum Vitalberg macht euren Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis!


Mehr Infos zum interaktiven Hörspiel am Achensee. 

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