Station Pertisau - Fürstenhaus

Frische Sommergeschichten

Sommerfrische im Hotel Fürstenhaus

Nach dem Verfall des ehemaligen landesfürstlichen Jagdhauses entschlossen sich die Fiechter Benediktiner 1851 zu einem Neubau. 1853 eröffnete der neue Hotel-Gasthof.


Das Fürstenhaus war damals ein frommes Etablissement. Elf Damen betraute man mit der Bewirtschaftung. Sie waren bekannt für ihr überaus straffes Regiment. Fünf Messen wurden täglich gelesen. Unterhaltung mit Tanz und Musik war untersagt und auch das freitägliche Fasten musste von den Hotelgästen eingehalten werden. 

Doch nach klösterlicher Tradition war das Essen gut und der Umgangston offen und frei.

Abt Albert Wildauer ließ ab 1875 die Bettenkapazität erweitern. Kleinere Gasthäuser durften ihre Unterkünfte erst vermieten, wenn im Fürstenhaus kein Bett mehr frei war. Das wirkte sich natürlich positiv auf die Auslastung des klösterlichen Gasthofes aus.

Neben einem ausgeprägten Geschäftssinn dürfte der Abt wohl auch eine große Portion Humor besessen haben. So manch augenzwinkernde Anekdote wird über ihn berichtet. Einst hatte man Wildauer erzählt, dass Gäste abgebrochene Stücke eines Zuckerhutes stibitzt haben sollen. Der Abt lächelte gütig und meinte nur: Die kommen ja doch zu mir beichten.


In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte sich der Achensee endgültig als touristisches Zentrum der K.u.K. Donaumonarchie.


Einen satirischen Blick auf die Sommerfrischler des Achentales warf der Wiener Autor Daniel Spitzer. 1884 charakterisierte er die unterschiedlichen Nationen und Unterkünfte – darunter auch das Fürstenhaus - folgendermaßen:


Der Achensee war in diesem Sommer von zahlreichen Norddeutschen besucht, und ich traf auf der Veranda des Gasthofes zur Scholastica, der zwanzig Minuten vom Seehof entfernt am Ende des Sees liegt, eine große Gesellschaft von Berlinern, die sich ausgezeichnet unterhielten, denn die Einen machten beständig Witze, während die Anderen fortwährend Au! dazu schrien. Unsere Landsleute dagegen schienen mehr dem „Fürstenhause“ in der Pertisau den Vorzug zu geben, und da in diesem dem Stifte Viecht gehörigen Gasthofe über die Sittenreinheit der Gäste strenge gewacht wird, so ist es wohl nicht blos ein glücklicher Zufall, daß man meistens stark angejahrten Frauen hier begegnet, durch welche die Pertisau den ehrwürdigen Charakter einer Altweibersommerfrische erhält.


Mehr Infos zum interaktiven Hörspiel am Achensee.

Zurück