Klettern – Vertikale Tuchfühlung

Klettern – Vertikale Tuchfühlung

Klettern ist nicht der Kampf gegen die Elemente oder gegen das Gesetz der Schwerkraft. Es ist der Kampf gegen sich selbst.

(Walter Bonatti)

Noch bis in die 1980er Jahre hinein suchte man sich seinen Weg in der Vertikalen meist selbst und war froh über jeden Bohrhaken, den ein Vorgänger irgendwann schon einmal in den Fels getrieben hatte. „Weil es neben Geschick und Erfahrung auch viel Zeit kostete, eigenhändig die Voraussetzungen zur Seilsicherung zu schaffen, kamen viele erst gar nicht in den Genuss, sich richtig auszupowern“, weiß Mike Rutter von der Sektion Innsbruck des österreichischen Alpenvereins. Heute haben Sportkletterer die Auswahl zwischen zahlreichen, bestens vorbereiteten Routen, die von 1 gleich leicht bis 11 gleich richtig schwer unterschiedliche Schwierigkeitsgrade aufweisen. Mike Rutter, der den Achensee wie seine Westentasche kennt und sich hier aufgrund des hellen Kalkgesteins immer wieder an die bekannten Kletterreviere in Südfrankreich erinnert fühlt, schwärmt besonders von „Hokuspokus“ – einer 8+ am Klobenjoch im Rofangebiet: „Traumhafte Felsqualität, eine kompakte Wand, die international locker mithält und ein gigantischer Blick auf den tiefblauen Achensee.“

Während viele Gäste bequem mit der Rofanseilbahn nach oben gondeln, um ihre Kräfte fürs Abenteuer in der Vertikalen zu schonen, erreicht man das Klettergebiet Gramai im Zweifel sogar mit dem eigenen Auto. Sportlich Ambitioniertere schwingen sich aufs Mountainbike und strampeln die sieben Kilometer durchs Falzthurntal hinauf zum Südwandsockel des 2457 Meter hohen Sonnjochs. Aufgrund der südlichen Ausrichtung kann hier vom frühen Frühjahr bis in den späten Herbst geklettert werden. Sämtliche Routen liegen im unteren und mittleren Schwierigkeitsbereich zwischen 4 und 8, und neben der Klettergrundausrüstung gehört hier ein 55 Meter langes Doppelseil zum Abseilen ins Gepäck.

„Die Kletterei birgt immer ein Risiko“, betont Mike Rutter und weist darauf hin, dass nichts über perfekte Vorbereitung geht – mental, konditionell, strategisch und (ausrüstungs-)technisch.

Auch nach dem erfolgreichen Absolvieren von Kletterkursen empfiehlt er, sich für die ersten anspruchsvolleren Touren staatlich geprüften Bergführern anzuschließen, um weitere Erfahrungen zu sammeln.

Mehr aus der Kategorie:

Sommer Klettern